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 Заголовок сообщения: Die R?ckkehr der Jesuskrieger
СообщениеДобавлено: Сб янв 07, 2012 2:03 pm 
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Die R?ckkehr der Jesuskrieger

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Aus Manchester, New Hampshire, berichtet Marc Pitzke

Nach dem Vorwahlkrimi von Iowa sp?ren Amerikas Fundamentalisten Aufwind, sch?pfen neue Hoffnung f?r alte Kulturk?mpfe. Ihr Messias ist Rick Santorum, der seine religi?se Botschaft jetzt nach New Hampshire tr?gt. Doch nicht nur dort r?hrt sich Widerstand.


Rick Santorum ist zu aufgekratzt zum Schlafen. Obwohl es fast Mitternacht ist, will der Ex-Senator noch plaudern. Also hockt er mit einem Styroporbecher Kaffee in einer einsamen Hotellobby und massiert sich die Cowboystiefel. Neben ihm liegt der "Boston Herald". Auf dem Cover prangen sein Konterfei und die Triumph-Schlagzeile: "Rechter Haken!"

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"Ich f?hle mich wirklich gut", sagt Santorum SPIEGEL ONLINE. Die Leute seien empf?nglich, die Diskussionen lebhaft. Seit seinem Beinahe-Sieg ?ber Erzrivale Mitt Romney bei den Vorwahlen von Iowa ist er ja kein Underdog mehr. Hat er damit gerechnet? "Ich wusste immer schon", freut er sich, "dass wir besser werden w?rden."
Selbstsicherheit am Ende eines langen Tages. Die Polit-Karawane ist von Iowa nach New Hampshire umgezogen, wo am Dienstag gew?hlt wird. Santorum sieht sich im Aufwind: Seit Iowa will der Republikaner zwei Millionen Dollar an neuen Spenden gesammelt haben.

Beseelt von diesem Erfolg hofft er nun, auch in dem eher moderaten Neuenglandstaat zu punkten mit seiner christlich-konservativen Heilsbotschaft, die im Mittelpunkt seines gesamten Wesens steht, politisch wie privat.

Die Glaubenskrieger sind zur?ckgekehrt

Schon der Titel seiner Wahlkampfreise: "Faith, Family & Freedom Tour". Glaube, Familie, Freiheit: Da wird schnell klar, dass sich hinter Santorums Standards?tzen von niedrigen Steuern, weniger Staat und dem "Sozialisten" Barack Obama in Wahrheit ein Kreuzzug verbirgt.

Den f?hrt er nicht alleine. Seit Iowa wittern die christlich-konservativen Kr?fte in der Republikanischen Partei wieder Morgenluft. Die Glaubenskrieger, deren Kulturk?mpfe um Abtreibung, Sex und Religion im ?ffentlichen Leben die neunziger Jahre beherrschten, sind zur?ckgekehrt - und Rick Santorum ist ihr neuer Messias.

Er begeistert sie mit forschen Spr?chen gegen Schwule, mit seinem polierten Privatleben, mit seinen Predigten f?r mehr Gott in der Politik. In Iowa stimmten 32 Prozent der Evangelikalen f?r ihn. Von den anderen Kandidaten lie?en die sich weniger inspirieren: Ron Paul kam bei ihnen nur auf 18 Prozent, Mitt Romney, Newt Gingrich und Rick Perry auf nur je 13 Prozent.

Denn viele trauen vor allem dem moderaten Mormonen Romney nicht ?ber den Weg, obwohl der auf lange Sicht die besten Aussichten auf die Kandidatur hat, dank seines Geldes und seiner massiven PR-Maschinerie. Nach Iowa w?hnen die Zweifler nun die Chance eines ?berchristlichen Alternativkandidaten - einem wie Santorum, dem der linke MSNBC-Kommentator Chris Matthews vorgeworfen hat, er wolle in den USA die Theokratie einf?hren.

"Wir brauchen immer einen Jesus-Kandidaten"

Auch wenn ein Durchmarsch Santorums unwahrscheinlich bleibt - er sonnt sich in der Rolle des heiligen Hoffnungstr?gers. "Wir brauchen immer einen Jesus-Kandidaten", hat er noch am Abend gesagt, bei seinem letzten Termin in einer High School. Der zweite Teil des Gedankens blieb unausgesprochen: Rick Santorum f?hlt sich als dieser Jesus-Kandidat.

Auch Dave und Christine Caron sehen ihn so. Die Carons sind Santorums Traumfamilie: sechs Kinder, christlich, flei?ig und staatlicher Einmischung so abhold, dass sie ihren Nachwuchs lieber selbst unterrichten, statt ihn in die Schule zu schicken. Um Santorum zu treffen, f?llen sie zehn Dollar Sprit in ihren gebrauchten Kleinbus und bem?hen sich extra hin?ber ins Dorf Tilton im tiefsten New Hampshire: "Er ist unser Mann."

"Seine starke Haltung gegen die Abtreibung ist uns am allerwichtigsten", sagt Christine. Auch w?ssten sie zu sch?tzen, dass Santorum "die Ehe von Mann und Frau verteidigt". Er k?mpft gegen die Schwulenehe.

"Glaube und Politik geh?ren fest zusammen", betont Dave, ein Fluglotse, der seine Gro?familie als Alleinverdiener ern?hrt. "Ohne Glaube hat ein Politiker keine ?berzeugungen."

Auf der einen Seite "Santorum", auf der anderen "Jesus"

Also sitzen sie im "Tilt'n Diner", einem neonfarbenen F?nfziger-Jahre-Restaurant, in dem Santorum zum Lunch angek?ndigt ist. Die Kinder - Eleanor, 10, Danielle, 8, Leah, 6, Dave Jr., 4, Josiah, 2, und Charity, 1 - haben mit Fingerfarben ein Plakat gemalt: "Willkommen in New Hampshire, Mr. Santorum." Vor lauter Spa? haben sie dann auch gleich noch ihren Bus mit angepinselt. Auf der einen Seite steht "Santorum". Auf der anderen steht "Jesus".

Doch Santorum findet nicht nur Zuspruch. Selbst in der eigenen Partei - die l?ngst schamlos mit Ehebrechern (Gingrich) und Skandalnudeln (Sarah Palin) flirtet - gibt es Zweifel, ob sein striktes Evangelium noch zeitgem?? ist oder ihn nicht unw?hlbar macht.

Sein neuer Favoriten-Status sorgt zugleich automatisch f?r kritischere Presse. So meldet die "New York Times", Santorum habe nach seiner Senatskarriere als Berater bei einem Krankenhauskonzern gearbeitet, dem er zuvor "Hunderte Millionen Dollar" zugeschossen habe. Ein Vorwurf, der kaum in Santorums hochheiliges Image passt - und von dem man sich wundert, wer ihn an das Blatt lanciert hat.

Wie kontrovers sein Kulturkrieg gerade in New Hampshire ist, das sp?rt Santorum auch im "Tilt'n Diner". Anfangs geht alles gut, er schiebt sich mit einem Pulk von Kameras an Theken und Tischen vorbei, sch?ttelt H?nde, posiert lange f?r Fotos mit den Carons.

"Ich h?re die 100 Prozent an"

Dann aber baut sich eine Frau vor ihm auf. "Wir sind die 99 Prozent!", deklamiert sie das Motto der Occupy-Bewegung. "H?ren Sie die 99 Prozent an!" Santorum l?sst sie abfahren, eiskalt l?chelnd: "Ich h?re die 100 Prozent an."

Die Frau hei?t Wendy Rogers. Sie ist seit 2002 arbeitslos, hat die Nase voll von Obama, aber sie will auch nichts wissen von Santorums Anwandlungen. Auf ihrem Auto pappt ein Aufkleber: "Unerschrocken f?r Abtreibung".

"Wir sind die 99 Prozent!", skandiert Rogers. "Wir sind die 99 Prozent!" Die Carons eilen ihrem Helden zu Hilfe. "Santorum for President!", versucht Dave, die Protestler zu ?bert?nen. Christine klatscht in die H?nde. Bald entspinnt sich ein lautes Hin- und Her-Gebr?ll - eine dramatische Live-Show der Polarisierung, die Santorum gerne provoziert.

Bei Santorums n?chstem Stopp wird es noch brenzliger. Da doziert er langatmig vor gut 200 Studenten ?ber die "christlichen Werte", die das "moralische Vorhaben" Amerika zum "gro?artigsten Land der Erde" gemacht h?tten und die auch seine "Mission und Vision" seien. Denn diese Werte seien in Gefahr: Die USA br?uchten eine neue "Revolution der Ideen".

Eine Studentin, die ihn zur Rede stellt, f?hrt er so knallhart an, dass sie zu weinen beginnt. Denn bei dem Thema versteht er keinen Spa?. Santorums Gestik und Mimik erstarren, seine Stimme

wird scharf. Die Studenten verabschieden ihn mit Buhrufen. Nur zwei wackere Fans halten Santorum-Schilder hoch.

Kriegsrat in Texas

Die alten Kreuzritter halten fest zu ihm, sie hoffen auf eine Renaissance ihrer Sache. Etwa Ralph Reed, der in der Clinton-?ra als Chef der Christian Coalition zum obersten Sittenw?chter aufstieg und 1994 das Cover von "Time" zierte.

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Nach dem Niedergang der Christian Coalition verschwand der Ex-Kellner von der Bildfl?che. Doch jetzt ist er wieder da, im Kielwasser der Kandidaten von 2012. In Iowa erschien Reed - gealtert, geschminkt und unangemeldet - bei einer Caucus-Versammlung in Des Moines und pries vor den begeisterten Teilnehmern die Wiederauferstehung seiner Bewegung. Iowa, freut er sich hinterher, habe bewiesen, dass Amerikas "Glaubensgemeinde" endlich so weit sei, "jemanden ins Oval Office zu entsenden".
F?hrende Christkonservative wollen angeblich am Wochenende in Texas Kriegsrat halten, um sich auf einen gemeinsamen Kandidaten zu verst?ndigen. Zu den Teilnehmern sollen so prominente Sittenw?chter wie Gary Bauer geh?ren, der Pr?sident der Organisation American Values, und James Dobson, Gr?nder der Aktivistengruppe Focus on the Family.

Bob Vander Plaats, ein ber?chtigter Sozialkonservativer aus Iowa, der Huckabees dortigen Sieg 2008 inszeniert hatte, hat daf?r nur einen Wunschkandidaten - Rick Santorum: "Er kommt von uns. Er ist einer von uns."

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 ... 49,00.html

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